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Ein Land, drei Volksgruppen – Verbindung schaffen zwischen Sprachen, Menschen und Religionen: Mein Freiwilligendienst in Bosnien & Herzegowina

Zeitraum November 2024 bis Februar 2025

Eine Frau mit lockigem Haar macht ein Selfie vor einem Fenster. Sie trägt ein weißes Hemd und hält einen kleinen Schlüsselanhänger in der Hand. Im Hintergrund sind Bäume und ein Gebäude unter einem blauen Himmel zu sehen.

Hallo, Zdravo aus Bosnien!
Ich bin Maya und arbeite seit Ende August in einem Franziskanergymnasium in Bosnien. Es befindet sich in der kleinen Stadt Visoko, die ungefähr eine Autostunde von der Hauptstadt Sarajevo entfernt liegt. Ich arbeite hier mit Schülerinnen unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten zusammen und begleite unter Anderem den Deutsch- und den Englischunterricht.

"Sozial, interkulturell und friedensstiftend" - so lauten die wunderschönen franziskanischen Werte, die hier in meiner Einsatzstelle gelebt und weitergegeben werden. Mein Arbeitsplatz ist nicht nur ein Gymnasium, sondern auch ein Internat, in dem Schülerinnen aus ganz Bosnien leben können. Auch ich habe hier ein gemütliches Zimmer.
Das goldgelbe Schul-und Internatsgebäude liegt am Rand von Visoko neben dem angrenzenden Franziskanerkloster, umsäumt von einem großen Garten mit vielen Bäumen.

Ein mehrstöckiges Gebäude in Gelb und Beige mit Bogenfenstern und einer Treppe, die zu einem Eingang führt, vor einem klaren blauen Himmel.

Die Besonderheit hier ist, dass meine Einsatzstelle eine christliche Schule in einem muslimischen Ort ist. Der Fokus liegt auf dem friedvollen
Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Kulturen. Man spürt die Gemeinschaft hier unter anderem sehr bei den verschiedenen Freizeitmöglichkeiten, wie beispielsweise dem Handballverein. Da ich selbst sportliche Aktivitäten eher nicht favorisiere, singe ich im Chor mit, der sogar über Bosnien hinaus bekannt ist. Außerdem wird jeden Abend gemeinsam gesungen und musiziert; jeder der möchte kann dazukommen und eine gute Zeit haben! Das spiegelt auch die allgemeine Kultur hier in Bosnien wider: die Menschen sind hier sehr herzlich und gesellig!
Die Schule ist ein Begegnungsort des gesamten Balkans, da wir eine große Sporthalle haben, in der viele länderübergreifende Sportwettkämpfe stattfinden. Außerdem gibt es viele Austauschprogramme - so hatten wir schon Schüler aus Italien, Österreich und der Türkei für einige Wochen hier. Mein Arbeitsalltag ist sehr vielfältig, da es immer verschiedene Aufgaben gibt und der Tagesplan flexibel gestaltbar ist. Grundsätzlich begleite ich hier jeden Tag den Deutsch- und den Englischunterricht und übernehme auch sehr gerne
Vertretungsstunden!

Eine Frau hält Bücher vor einer Karte und steht neben einer weißen Tafel mit der Aufschrift „Frühstück“, umgeben von deutschen Wörtern. Über der Tafel hängt ein Kruzifix.

Nach der Schule helfe ich den Schülerinnen mit ihren Hausaufgaben wenn sie Hilfe benötigen, oder bereite sie auf Tests und Klausuren vor. Außerdem gibt es zweimal im Jahr für einige Schülerinnen die Möglichkeit, eine Austauschwoche in Tirol oder Bozen zu verbringen. Ich helfe ihnen dabei, sich gut darauf vorzubereiten und beantworte ihre Fragen zu ihrem Aufenthalt im Ausland, und übe die Aussprache für Vorträge mit ihnen ein. Für Kreatives gibt es hier auch tolle Möglichkeiten: Wir haben einen großen Materialraum, in dem ich schon einige Kreativprojekte mit den Schüler*innen gestartet habe, wie z.B. die Dekoration für das Franziskusfest oder die Weihnachtsdekoration. Ich kann hier eigene Ideen einbringen und bin frei in der Gestaltung von Projekten.

Eine Gruppe von Menschen arbeitet an einem Gemeinschaftsprojekt rund um einen Tisch und verwendet Kunstbedarf wie Klebstoff, Marker und Papier in einem Raum mit Regalen und Fenstern.

Einer meiner liebsten Aufgabenbereiche ist die Begleitung von Ausflügen und in Zukunft auch von Klassenfahrten, da man so alle noch ein bisschen besser kennenlernen kann. Außerdem besuchen wir spannende Orte, wie zum Beispiel die mystischen Pyramiden hier in Visoko.
In der Weihnachtszeit gab es hier viele Aktionen: unter anderem haben wir gewichtelt und es gab eine große Tombola.

Person schmückt drinnen einen Weihnachtsbaum mit roten und goldenen Ornamenten. Sie trägt eine weiße Jacke, einen Schal und Jeans. In der Nähe steht eine Schachtel mit weiteren Ornamenten.

Im neuen Jahr durfte ich dann etwas für die Winterschool vorbereiten, bei der ich gemeinsam mit der Deutschlehrerin Workshops für die
Schnupperschüler*innen gegeben habe. Wenn ich mal Fragen oder Sorgen habe, hat meine Mentorin vor Ort immer ein offenes Ohr für mich! Sie ist ein Sonnenschein und ist immer sehr hilfsbereit. Ich bin diesen Monat zusätzlich in die Planung und Vorbereitung für unser
Zwischenseminar von uns Freiwilligen involviert, da es hier in Visoko stattfinden wird. Ich freue mich schon sehr, alle wiederzusehen und die bosnische Kultur und Geschichte vermitteln zu können! Bosnien ist ein unglaublich spannender und pulsierender Vielvölkerstaat mit
einem der komplexesten politischen Systeme der Welt. Ich habe hier schon sehr viele interessante Gespräche geführt. Zwanzig Jahre nach dem Krieg sind hier in Bosnien immernoch Spannungen zu spüren, aber man merkt, dass die neuen Generationen sich ein friedliches Zusammenleben zwischen den Nationen wünschen, ohne eine politische Spaltung. Die besten Möglichkeiten, sich über die Geschichte und die Kultur auszutauschen, hat man wenn man die Sprache vor Ort lernt. Ich habe mehrmals im Monat Sprachunterricht in der Schule und kann meine Kenntnisse so verbessern. Dadurch habe ich jetzt schon viele schöne und inspirierende Begegnungen gehabt! Die kulturelle Reichhaltigkeit Bosniens liebe ich sehr! Sie ist vor allem in der Hauptstadt Sarajevo zu spüren. An den Wochenenden kann man ganz
unkompliziert mit dem Bus in die Hauptstadt fahren und dort den "Schmelztiegel der Kulturen" erleben. Mein Lieblingsort in Sarajevo ist die
Altstadt, die mit ihrem Basar und den vielen kleinen Läden und Cafés osmanisch geprägt ist.
Bosnien hat außerdem wunderschöne Natur, die ich auch schon erleben durfte: ich war viel mit Freunden wandern und wir haben Wasserfälle und atemberaubende Aussichten in den Bergen genossen!

Geteiltes Bild: Die linke Seite zeigt einen dichten Wald mit einem felsigen Wasserfall; die rechte Seite zeigt ein Bergdorf mit buntem Herbstlaub unter einem klaren blauen Himmel.


Abschließend kann ich sagen, dass ich hier genau am richtigen Ort bin! Für mich ist es hier vor allem auch sehr bereichernd im Hinblick darauf, dass ich später internationale Soziale Arbeit studieren möchte. Es ist unglaublich spannend für mich, hier in diesem Land bereits so viel über Völkerverständigung lernen zu dürfen. Außerdem habe ich die Schüler*innen alle sehr ins Herz geschlossen und freue mich schon auf die bevorstehenden Klassenfahrten nach Kroatien und unser gemeinsames Chorkonzert in Ljubljana!

geschrieben von Maya, FEE-Freiwillige 2024/25


Bericht aus Bilbao, Spanien
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Zeitraum August bis November 2024

Kaixo, Buenos Dias, Hallo, wir sind Jonas und Emil und sind der zweite Jahrgang der Fee-Freiwilligen in Bilbao. Wir arbeiten in der Organisation Bizitegi, diese arbeitet mit Menschen am Rand der Gesellschaft (psychisch kranke Personen, Wohnungslose und viele mehr). Das Leben im Baskenland ist geprägt von Festen, Bergen, Meer, Regen und Gesellschaft.

Unsere Arbeit bei Bizitegi ist sehr abwechslungsreich, da die Organisation eine Menge an Angeboten für die Nutzer*innen der Zentren bietet. So sind wir beide in einer der drei sozialen Theatergruppen. Außerdem arbeiten wir in einer Werkstatt, in der alles Mögliche aus Pappe hergestellt wird, in einem Zentrum für Menschen, die direkt auf der Straße leben (Angebote: Duschen, Wäsche waschen usw.) und begleiten verschiedene Kurse und Aktionen des Bizitegi.

Eine dieser besonderen Aktionen fand am 10. Oktober statt. Das ist der internationale Tag der mentalen Gesundheit. Die Arbeit mit Menschen aus den verschiedenen Vierteln Bilbaos ist ein großer Teil der Arbeit des Bizitegi. So waren wir an dem Tag auf einem großen Platz in Bilbao und haben künstlerisch auf diesen Tag aufmerksam gemacht.

Straße mit einer langen Plastikfolie mit bunten Graffiti, darunter Herzen und Gesichter, die vor Gebäuden angebracht ist. Überall hängen Banner und Flaggen.

Eine weitere Aktion, die sehr in der Öffentlichkeit stattfindet, ist das Homeless-Film-Festival. Da dreht sich alles um Kurzfilme mit sozialen Themen. Auch unsere Theatergruppe tritt dort auf.

Drei Personen machen auf der Bühne vor einem großen, lächelnden Publikum in einem Hörsaal ein Selfie.
Drei Personen machen auf der Bühne vor einem großen, lächelnden Publikum in einem Hörsaal ein Selfie.

Ein sehr einprägsames Erlebnis war die Teilnahme der diesjährigen „Recuento“ (dt.: Zählung).  Im Rahmen einer Studie wird die Anzahl der Personen, die auf der Straße schlafen müssen, festgestellt. Außerdem gibt es einen umfangreichen Fragebogen, der mit den Leuten durchgegangen werden kann, wenn sich diese dazu bereiterklären. Ab 22:00 Uhr waren wir dann bis ungefähr nachts um 2:00 Uhr unterwegs in den Vierteln von Bilbao, um nach Menschen zu schauen, die auf der Straße schlafen. Für uns war die Erfahrung sehr viel wert, wir haben interessante Gespräche geführt und konnten unseren Teil zur Durchführung der Studie beitragen. Aktuell leben über 600 Personen in Bilbao auf der Straße.

Abschließend lässt sich sagen, dass wir beide hier genau am richtigen Platz sind. Wir lernen hier viel darüber, wie Soziale Arbeit aussieht und funktioniert. Es eröffnen sich uns neue Perspektiven auf Themen wie Wohnungslosigkeit, geistige- und körperliche Gesundheit, Flucht und Migration.

Bizitegi ist eine tolle Organisation und für viele Menschen hier absolut unverzichtbar. Die Interaktion zwischen den Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen der Tageszentren findet auf Augenhöhe statt. Teilweise kann man schon von einer familiären Umgangsform sprechen.

Auch wir sind schnell Teil dieser angenehmen Gruppendynamik geworden. Darüber freuen wir uns sehr und sind sehr gespannt auf das was uns dieses Jahr noch erwartet!

Strandszene in der Dämmerung mit dunklem Sandstrand, Menschensilhouetten und einem leuchtenden Sonnenuntergangshimmel mit vereinzelten Wolken über einem fernen Horizont.

geschrieben von Jonas und Emil, FEE-Freiwillige 24/25


Zwischen Idylle und Herausforderung: Mein Freiwilligendienst in Albanien

Zeitraum: April bis Juni 2024

Traumhaft schöne Strände mit türkisblauem, klarem Wasser. Scheinbar endlose Olivenhaine auf grünen Hügeln, romantisches Vogelgezwitscher im Hintergrund. Einzelne Wolken am sonst blauen Himmel, in der Ferne das felsige Gebirge, auf dem noch ein wenig Schnee vom Winter liegt. Den südeuropäischen Charme besitzt das kleine Land, das nördlich von Griechenland an der Adriaküste liegt. Auch die mediterrane Idylle ist in warmen Nächten an der Strandpromenade Vloras regelrecht spürbar.

Auf der anderen Seite jedoch, sieht man Häuser, die nicht fertiggestellt sind. Müll, der nicht abgeholt wurde und deshalb im Garten verbrannt wird. Stromkabel, die irgendwie an den Häuserfassaden und über der Straße entlang verlegt sind und Familien, die in Armut leben.

Und mittendrin: Das „Qendër Shen Françesku“, die Nachmittagsbetreuung in dem kleinen Dorf „Babicë e Madhe“, einem Vorort der Küstenstadt Vlora, in der ich seit drei Monaten lebe und meinen insgesamt sechsmonatigen Freiwilligendienst leiste. Drei italienische Franziskanerschwestern leben hier und betreiben diese Nachmittagsbetreuung.

Hier im „Qendër“ sind alle Kinder und Jugendlichen ab 5 Jahren willkommen, die aus Babica oder aus den umliegenden Dörfern kommen. Sie kommen jeden Nachmittag unter der Woche, um Spiele zu spielen, Sport zu machen, sich mit ihren Freunden zu treffen oder, um sich einfach ein bisschen miteinander zu unterhalten. Sobald die Türen der Schwestern am Nachmittag öffnen, herrscht hier ein wunderbar buntes, aufgewecktes, lautes, und im besten Sinne chaotisches Treiben, in dem man sich wirklich wohlfühlen kann.

Das „Qendër“ hier ist für die Kinder jedoch viel mehr als nur ein Hort oder eine normale Nachmittagsbetreuung. Sie haben hier einen Ort, an den sie jeden Tag kommen können und der ihnen eine gewisse Routine im Alltag gibt.

Hier gibt es einen Fußballplatz, einen Volleyball-/Basketballplatz, ein Bastelzimmer, unzählige Brett- und Kartenspiele, einen Computerraum, in dem die Kinder Zugang zu Internet, Drucker usw. haben und eine gut ausgestattete Küche, in der die Schwestern manchmal Kochkurse mit den Kindern machen.

Die Kinder sehen dadurch nicht nur ihre Freunde regelmäßig, sondern haben auch einen sicheren und geschützten Ort, an dem sie spielen können, der nicht auf den Straßen des Dorfs ist.

Meine Aufgaben als Freiwillige hier sind sehr vielfältig. Nachmittags verbringe ich Zeit mit den Kindern und Jugendlichen. Mit den jüngeren spiele ich Volleyball oder Uno, Domino und Fangen, bastle oder male Bilder mit ihnen, während ich mit den älteren Jugendlichen auch einfach mal ein bisschen quatsche.

Einmal die Woche kommen Jugendliche aus einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung aus Vlora ins „Qendër“ nach Babica, um an diesen Tagen dann mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Ort gemeinsam den Nachmittag zu verbringen.

Vormittags gehe ich zwei Mal die Woche in eine Suppenküche in Vlora, um dort zwei Ordensschwestern aus Vlora beim Kochen und ausgeben des Essens sowie beim anschließenden Aufräumen und Saubermachen zu helfen. Dorthin kommen vor allem ältere Menschen, die nicht mehr arbeiten können und deshalb leider in Armut leben. Diese können dann in der Suppenküche gemeinsam essen und verbringen so auch ein wenig Zeit miteinander. Da die Suppenküche nur alle zwei Tage geöffnet hat, können die Gäste am Ende auch noch eine Portion des Essens für den nächsten Tag mitnehmen.

Für den Sommer sind auch noch viele, viele Ausflüge an den Strand, ein zweiwöchiges Sommercamp hier in Babica und weitere spannende Aktivitäten geplant.

In den ersten drei Monaten meines Freiwilligendienstes habe ich schon so viele wertvolle Erfahrungen machen können, für die ich unglaublich dankbar bin. Ich habe nicht nur die Sprache ein wenig gelernt, sondern auch wahnsinnig viele nette, offene und herzliche Menschen kennengelernt, die es mir leicht gemacht haben, mich in dieser neuen Umgebung einzuleben und wohlzufühlen.

Jetzt freue ich mich auf den Sommer, auf die Ausflüge und den Strand mit den Kindern und auf alles, was ich in der zweiten Hälfte meines Freiwilligendienstes noch erleben werde!

geschrieben von Nika Scheibenstock